
Mobile Akademie an der Otto-Hahn-Gesamtschule Hamburg
Bei den Jugendlichen handelte es sich um einen Wahlpflichtkurs mit dem Titel "Zeitung". Die Motivation der Teilnehmer sich mit dem Thema Zeitung zu befassen war sehr weit gestreut. Einige interessiert es weil es Thema ihres Kurses ist, andere um vielleicht etwas zu lernen und für die Zukunft mitzunehmen und wiederum andere um “up-to-date” zu sein in Sachen VIP und politische Situationen. Es gab also die ganze Bandbreite an Interesse von Klatsch&Tratsch bis zu seriöser Berichterstattung.
Wir erwarteten einen Kurs mit zwölf Schülern die mit vollkommen unterschiedlichen Vorraussetzung an die Thematik herangingen. Manche für die Inhalte zu begeistern würde leicht werden und manch anderen etwas zu vermitteln sehr schwierig. Also versuchten wir mit unserer Konzeption die ganze Bandbreite abzudecken, so dass die Interessierten gefordert und die weniger Interessierten nicht überfordert worden. Dies bedeutete natürlich einen sehr großen Spagat. Wir bereiteten ein Einstiegsspiel vor (Stille Post), sowie Handouts zu den Themen Kommunikation und Medienverhalten. Ebenso benutzen wir die Medienhefte “Boulevard-Journalismus”.
Zuerst stellten wir eine runde Tischformation her, so dass die Schüler sich auch gegenseitig sehen können. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde starteten wir mit dem geplanten Einstiegsspiel Stille Post, was überraschenderweise nicht allen Teilnehmern bekannt war. Wie zu erwarten war kam am Ende natürlich eine verfälschte Information heraus. Daraufhin versuchten wir mit den Teilnehmern zu ergründen, wie das geschehen ist. Der erste Erklärungsansatz eines Teilnehmers, dass die weiblichen Teilnehmer Schuld seien wurde durch eine zweite, nur männliche Runde Stille Post widerlegt und wir kamen zu Erkenntnis, dass es wohl mit der Wahrnehmung des Einzelnen zu tun haben muss. Dieses Wissen diente uns als Grundlage kritisch zu hinterfragen, was in Medien dargestellt wird und wie es aufgenommen wird. Darauf aufbauend stellten wir den Teilnehmern zwei Kommunikationsmodelle vor (Sender-Empfänger-Modell, Vier-Seiten-Modell), die ihnen ein Werkzeug zur Analyse bieten sollte.
Wir legten eine kurze Pause ein und starteten danach direkt mit der Analyse der mitgebrachten Materialien. Wir verglichen die Bild mit der Süddeutschen Zeitung (Beispiel entnommen aus dem Medienheft “Boulevard-Journalismus”). Zuerst an der Aufmachung und später an den Inhalten. Bei der Aufmachung wurde schnell klar, dass bei der Bild viel mehr Wert auf Effekt gelegt wird, als auf kritische Informationen. Die inhaltliche Ausarbeitung war schon wesentlich schwieriger, konnte aber anhand brauchbarer Kriterien auch gemeistert werden (Merkmale des Boulevardjournalismus wurden gesucht und gefunden z.B. Personalisierung). Danach führten wir ein Feedback durch welches insgesamt gut war, wobei manche Schüler es zu schwer und detailiert fanden und andere wiederum zu einfach und zu oberflächlich.
Es war schwierig zu vermitteln, was der Unterschied zwischen Boulevard-Journalismus und seriöser Berichterstattung ist, da die Grenzen ja nicht offensichtlich gezeichnet werden und zusätzlich auch teilweise sehr schwammig ist. Wir hoffen, dass unsere Teilnehmer etwas mitnehmen konnten aus den Kommunikationsmodellen und damit verstehen, dass jeder andere auch etwas anderes verstehen kann. Ebenso dürften sie etwas kritischer auf eingestreute Werbung achten und insgesamt nicht mehr alles für bare Münze nehmen was in einer Zeitung steht. Es wurde also ein erster Grundstein gelegt – mehr ist wohl auch nicht wirklich möglich in einem vierstündigen Workshop. Wir hoffen, dass dies durch die Lehrerin weiter ausgebaut wird.
Es hat sich als gut erwiesen Materialien mitzubringen an denen man direkt arbeiten kann, das nimmt etwas der Theorielastigkeit aus dem Modul heraus und macht es begreifbarer.






